Kultur und Wein

Das beschauliche Magazin


 

Wein/Wine Genesis, ein Buch zum Lernen und Schauen

 

 

Wahrhaft prächtige Weinkunde

„Kostbare Kultur im Bild“ betitelt Willi Klinger, Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing GmbH. sein Vorwort zum Buch Wein/Wine Genesis. Allein die Aufmachung gibt ihm Recht. Man hält nicht nur ein Buch, sondern einen Prachtband in Händen, der in opulenter Bebilderung in zwei Sprachen (Deutsch, Englisch) über Reben/Vines, Trauben/Grapes, Wein/Wine erzählt.

Das Kapitel über die Entstehung eines jungen Rebstockes, an sich eine reine Angelegenheit der Rebenzüchter, erfährt hier durch den Autor der fachlichen Texte, Karl Mayer, besondere Ausführlichkeit. Es schadet nicht, Bescheid zu wissen, über das mögliche Alter von Rebstöcken beispielsweise, nachdem auf immer mehr Etiketten die Angabe „Alte Reben“ auftaucht. Nicht uninteressant sind auch die Ausführungen zu den Unterlagsreben.

Illustrationen © Kulianrium Verlag, Fotos Peter Oberleithner

Im Titel: Weinkeller

o.r.: Das Knospenschwellen nach der Winterruhe

Zwei Gescheine sind sichtbar

Traube vor der Vollreife

o.: Stabilidsierung mit Bentonit

 

Erschienen ist Wein/Wine Genesis im Kulinarium Verlag, ISBN 978-3-200-01538-8, Preis: € 59,90.

 

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Richtiggehend spannend ist die Schritt für Schritt illustrierte Entstehung eines jungen Rebstockes, beginnend mit der Produktion der beiden Pfropfpartner, über die Veredelung, die Rebschule und das Auspflanzen bis zu seiner Erziehung in den ersten Jahren im Weingarten.

Das darauf folgende Kapitel, es leiht dem Buch den Titel Genesis, gerät zur Kür für den Fotografen. Peter Oberleithner verfolgt mit seiner Kamera das Werden des Weines von der Knospe zur Traube. Er dringt dabei in den Mikrokosmos des Traubenkernes vor, dokumentiert das erste Knospenschwellen nach der Winterruhe, zeigt das Wollstadium und lässt die werdenden Triebe sich langsam strecken, bis die Spitzen der Blattzähne erscheinen und sogenannte Gescheine sichtbar werden. Eine große Farbtafel nach der anderen zeigt eindrucksvoll das Wachstum der Traube bis zur Vollreife.

Der zweite Teil dieses Bandes ist der Ampelographie gewidmet, der Rebsortenkunde. Vorgestellt werden darin internationale Sorten und – dem Herausgeber Leo Heinz sei’s gedankt – historische Sorten. Vom Hörensagen kennt man noch einige davon, zum Beispiel den Gelbling oder Österreichisch Weiß. Wenn man aber nicht das große Glück und die Bekanntschaft eines versponnen Winzers genießt, wird man wohl nie wissen, wie ein Rotweißer Veltliner, ein Silberweißer, der Scheibkern oder ein Tauberschwarz geschmeckt haben könnten.


 

 

100 Deutsche Meisterwerke des Weines

Am Anfang, gleichsam als Programm dieses Prachtbandes der Weinkultur, steht eine kühne Feststellung: Wir haben für die „100 Meisterwerke des Weines – Deutschland“ eine sorgfältige Auswahl getroffen. Ausgangspunkt sind die besten Weingüter, die die bemerkenswertesten Weine ihrer Region erzeugen. Sie haben das Prädikat „Meister“ im Wortsinn verdient.

 

Jeder, der sich nur ein wenig in der großen Welt des Weines umtut, wird bald die Erfahrung machen, dass es allein in Deutschland viel, viel mehr meisterliche Winzer gibt als jedes noch so umfangreiche Buch der Welt fassen könnte. Wer kann bei einer solchen Fülle dann von sich sagen, tatsächlich die Größten erwählt zu haben?!

Ralf Frenzel, einer der ersten Sommeliers in Deutschland, Herausgeber diverser Publikationen, u.a. von FINE Das Weinmagazin, und Inhaber des Tre Torri Verlages, hat jedoch sein Bestes gegeben, um mit diesem Band dem Leser zumindest einen Anstoß zu geben, sich genussvoll in den Weiten des deutschen Weines zu verlieren. Gemeinsam mit ihm auf dem Cover findet sich Pekka Nuikki, ein international führender Experte für reife und exzellente Weine.

Dem Weingut Horst Sauer wird „Die Sehnsucht nach dem perfekten Wein“ zugestanden. Dieser ist, wie in Franken üblich, im typischen Bocksbeutel abgefüllt – ein für unsere Augen eher ungewöhnlicher Anblick einer Bouteille. Ihr Inhalt ist ein Escherndorfer Lump, anno 2006 von 45 Jahre alten Silvanerreben geerntet. Nach der Lektüre des Artikels weiß man zumindest theoretisch, wie der Wein schmeckt, hat den Winzer kennengelernt und weiß darüber hinaus, wie der Silvaner überhaupt nach Franken gekommen ist.

Die meist gepriesenen Meisterwerke des deutschen Weißen, und zu dieser Feststellung ist man auch als Außenstehender befugt, liefert jedoch der Riesling. Eines davon ist die Brauneberger Juffer Sonnenuhr aus dem Hause Fritz Haag. Auf dem Etikett aus dem Jahr 2006 steht noch Mosel-Saar-Ruwer, ein Name, der in der Zwischenzeit jedoch zum Weinbaugebiet Mosel gekürzt wurde.

100 Meisterwerke des Weines – Deutschland ist als zweisprachige Ausgabe (Englisch und Deutsch) 2008 im Verlag Tre Torri erschienen. ISBN: 978-3-937963-68-6, Preis: € 49,90.

Mehr dazu unter www.tretorri.de

 

 

Insofern hat dieses Buch auch hierzulande, also in Österreich, genügend Anspruch auf eine breite Leserschaft. Missverständnisse gibt es schließlich genug. Weißwein aus deutschen Rieden (dortzulande die Lagen) sei lieblich, süßlich und trotzdem sauer – ein Paradoxon, das nur für denjenigen schlüssig ist, der sich noch nie damit ernsthaft auseinander gesetzt hat. Vom Rotwein gar nicht zu reden. Kaum ein anderes kulinarisches Thema entfacht schon auf den ersten Schluck derart heftige Kontroversen wie der Rote. Abgesehen von der eingeschworenen Jüngerschaft der Franzosen, Italiener und Spanier neigt der Österreicher, und nicht nur er, beim Rotwein zu einem ungeahnten Chauvinismus. Einen einigermaßen brauchbaren Weißen traut man dem Nachbarn grad noch zu, aber beim Spätburgunder, da muss es schon ein burgenländischer Pinot Noir sein, um überhaupt daran zu riechen.

Deshalb findet sich hier auch als erstes Beispiel der Laumesheimer Kirschgarten Spätburgunder Großes Gewächs 2007. Erzeuger ist das Weingut Knipser in der Pfalz, also in einer der bekanntesten der deutschen Weinbauregionen. Man erfährt, dass die genannte Lage, der Laumesheimer Kirschgarten, ursprünglich gar nicht zu den großen gehörte und erst durch die konzentrierte Arbeit im Hause Knipser zur heutigen Bedeutung gereift ist. Eine trockene Auslese des Jahrgangs 1985 brachte den ersten Sieg in einem landesweiten Wettbewerb. In unterhaltsamer Kürze wird das Terroir beschrieben und zuletzt der Wein selbst in anschaulicher Weise vorgestellt.

Allein der Name dieses Weines ist ein eigener kleiner Reiseführer. Brauneberg ist Mittelmosel: eng gewundene Flussschleifen zwischen Hunsrück und Eifel, in denen sich „Wingart“ an „Wingart“ reiht und dazwischen uralte Ortschaften mit pittoresken Fachwerkhäusern, in denen Scharen von Ausflüglern weinselige Urlaubstage genießen. Juffer, vielleicht die Verkürzung von Jungfer, galt schon für Napoleon als Perle der Moselregion – aber erst mehr als eineinhalb tausend Jahre nachdem die Römer in diesem Tal bereits ihren Elbling gekeltert haben. Von der Sonnenuhr haben einstens nicht nur die Winzer die Tageszeit abgelesen, sie steht auch für die steilsten Lagen der Welt, die sich hier im Moseltal finden. Diese extremen Verhältnisse, bis über 60° Hangneigung, direkte Sonneneinstrahlung und ein Boden aus Schieferplatten schaffen gemeinsam mit den Winzern tatsächlich wahre Meisterwerke.

In ähnlicher Weise führt das Buch durch alle 13 deutschen Weinbauregionen und macht durchaus Lust, sich einmal von der eigenen Scholle, vom gewohnten Grünen Veltliner oder Blaufränkischen, für einen Besuch in den Weinbergen des Nachbarlandes zu lösen.

 

Ein Wein-Wörterbuch in sechs Sprachen

Beredte Weinreisen

Genau an der Stelle, wo man im Gespräch mit einem Winzer, sei es in Italien, Frankreich oder Spanien, an den Punkt kommt, wo es um Essentielles geht, versagen sogar sehr gute Wörterbücher. Zu speziell sind die einzelnen Wein-Vokabel, um mit der geläufigen Umgangssprache klar umschrieben werden zu können.

Abhilfe in derlei Nöten verspricht das eben erschienene weinwörterbuch. In sechs Sprachen führt es durch die Wörter-Welt des Weines. Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und erstaunlicherweise Schwedisch, das sind die Zungen, in denen man sich mithilfe dieses handlichen Büchleins zumindest emsig blätternd unterhalten kann.

Die Handhabung ist erstaunlich einfach. Jede Sprache hat ihr Symbol, das man sich in kürzester Zeit gemerkt hat. Schließlich bewegt man sich zumindest eine Zeit lang in einem dieser Länder, wo man als Weinreisender wohl laufend die Dienste dieses Buches in Anspruch nehmen wird. Zum Beispiel: Gärung, fermentation (English), fermentación (Español), fermentation (Français), fermentazione (Italiano), jäsning; fermentation (Svenska).

weinwörterbuch, Weinvokabular in sechs Sprachen, Verlag List Medien AG, 2010, ISBN: 978-3-9523501-1-9, Preis € 19,90.

 

Bilder zum Vergrößern anklicken

Sollte tatsächlich jemand in Schweden ernsthaft Wein kaufen und sich dabei partout als Weinkenner (vinkännare) behaupten wollen, findet er im schwedischen Teil dieses Wörterbuches rasch die Bedeutung beispielsweise von druvsort (Rebsorte), torka (trocken) oder rödvin (Rotwein), um daraufhin sich in schönstem Schwedisch fachmännisch nach vingårdskaraktär (Lagencharakter) und lagertid (Lagerzeit) zu erkundigen.

Es muss ja nicht gerade der kühle Norden sein, das gleiche Spiel funktioniert auch im Burgund, in der Toskana, sogar in Chile und in Kalifornien. Das weinwörterbuch hat zweifellos das Zeug, sich zum unerlässlichen Begleiter reisefreudiger Weinfreunde zu mausern.

 

 

Afrikanisch kochen mit Voodoo Food

 

Essen – das flüchtige Glück

„Wenn wir Afrikaner essen, stillen wir nicht nur unseren Hunger“, setzt Dr. Dodo Liadé seinem Kochbuch Voodoo Food voran, und nennt das Essen ein flüchtiges Glück. Dr. Liadé stammt von der Elfenbeinküste, hat in Frankreich und Deutschland unter anderem auch Ethnologie studiert und lebt als freier Wissenschaftler in München. Er ist also ein Wanderer zwischen den Welten, der es wunderbar versteht, uns Europäern über seine Kultur des Essens  zu erzählen und damit einen Erdteil, der immerhin ein Fünftel der Landmasse unserer Erde einnimmt, nahezubringen, mit seinen Geheimnissen und seiner faszinierenden Magie, die sich in diesem Fall speziell im Essen ausdrückt.

Den Titel seines Buches erklärt Liadé aus dem Begriff selbst, wenn er schreibt: „Voodoo“ kommt aus der Fan-Sprache des alten Königreiches Dahomey (heute Benin) und bedeutet eigentlich „Gott“ oder „Geist“. Mit den Sklaven bekam Voodoo als religiöse Strömung in Amerika eine neue Dimension und Interpretation. „Food“ ist in diesem Fall für ihn das Sammelwort für Lebensmittel, die großen sinnlichen Genuss verheißen und bieten.

Als Rezensent von Kochbüchern ist man stets gefordert, ein paar Proben daraus nachzukochen. In diesem Fall war es ein besonderer Spaß, da allein die Beschaffung so mancher Ingredienzien bereits ein spannendes Unterfangen darstellt. Aber Dr. Liadé dürfte nicht nur anerkannter Wissenschaftler sein, sondern auch ein guter Geschäftsmann. Unter der Adresse www.voodoofood.de bietet er all das an, was auch einer gut sortieren Wiener Küche fehlen könnte. Unter anderem das Lustgewürz, das voll und ganz seinen Ansprüchen gerecht werden dürfte: „Gewürze sind für Speisen, was der Duft für die Haut ist: launisch, anspruchsvoll, bestimmend erotisch.“

Erschienen ist Voodoo Food von Dodo Liadé in der Edition Styria (2010), www.ichlese.at, Preis: 29,95 €.

Mangels dieser magischen Mischung habe ich mich über die Caldo de peixe hergemacht, eine Fischsuppe von den Kapverdischen Inseln. Fisch, Schalotten, Tomaten und Petersilie, jeweils passend geschnitten, werden in einem Topf mit Wasser bedeckt. Gewürzt wird mit Zitronensaft, Salz, Curry, das Ganze köchelt eine gute halbe Stunde vor sich hin, um dann Magen und Herz zu erwärmen.

Nach strenger Durchsicht des heimischen Soßen- und Gewürzregals und dem Besuch des wahrhaft internationalen Meiselmarktes (Wien 15.) ließ sich auch Akpessi zaubern, ein Yamstopf mit Huhn. War gar nicht so schwer und könnte tatsächlich – zumindest für meine Begriffe – auch an der Elfenbeinküste ähnlich schmecken.

Getrunken wurde an diesem Abend Gnamakoudji. Ingwer, Kardamom, Zitronensaft und Zucker lassen sich ohne großen Aufwand zu einem erfrischenden Saft verwandeln, unter uns gesagt, in einen wahren Lebenssaft, der laut Dr. Liadé in Westafrika erfunden wurde.

Die angesprochenen Rezepte gibt’s per Mausklick auf die jeweilige Illustration von Zsuzsanna Ilijin.

 

Rezepte aus der Mostviertler Klosterküche:

 

 Ein Kochbuch wie ein Tischgebet

 

Während des Essens herrscht im Refektorium eines Klosters vielfach noch Silentium, also Schweigen. Die Speisen sollen mit Bedacht genossen werden, mit dem Gefühl der Dankbarkeit, die schon im kurzen Gebet zu Beginn angesprochen wird: „Herr Jesus Christus, jeden Tag beschenkst du uns mit deinen Gaben. All dein Wohlwollen an uns hat seinen Grund in der Großmut deines Herzens, das immer für uns geöffnet bleibt, jetzt und in Ewigkeit. Amen.“

Das tägliche Tischgebet der Mönche des Benediktinerstiftes Seitenstetten ist in diesem Fall durchaus der passende Einstieg in ein Kochbuch, das im Untertitel „Gutes und Gesundes aus der Klosterküche“ verspricht. Aber was soll heutzutage an einer Klosterküche so faszinierend sein, dass man ihr ein eigenes Buch widmet!? Freilich, früher, zum Beispiel im Mittelalter, als die Fasttage die fetten Tage beinahe überwogen haben, damals hatten sich die Mönche sehr geschickt zu helfen gewusst. Verschiedene Tiere, wenn sie nur entfernt mit dem Wasser in Verbindung gestanden sind, wurden freiweg zu „Fischen“, oder besser, zu Wassertieren erklärt. So kam es, dass in der fleischlosen Zeit neben Kraut und Sterz auch Schildkröten, Biber und Reiher in klösterlichen Töpfen gesotten wurden. Später schlug das kulinarische Pendel in die andere Richtung aus. Im Barock, in der Zeit der Pracht liebenden Kirchenfürsten und deren unglaublich üppigen Speiseplänen wimmelte es nur so von raffinierten Rezepten. An einem ganz normalen Wochentag im Jänner wurden von Abt, Convent und drei Gästen im Stift St. Peter in Salzburg allein „zur Nacht“ Speckknödel, Brätl, Vögel und Tauben, drei Mandelmuse, sieben Kapauner, Äpfel, Bratwürste, Hohlhippen und Gersten verzehrt und hinuntergespült mit jeweils einer Hemina Wein (ein heute unbekanntes Flüssigkeitsmaß aus der Regel des hl. Benedikt).

In unserer Zeit nimmt das Essen einen sonderbar ambivalenten Stellenwert ein. Es ist entweder zuviel, zu fett, wird zu hastig verschlungen, und wenn wir uns einmal dafür Zeit nehmen, kann es nicht ausgefallen genug sein. Nicht umsonst boomen schräge TV-Köche oder kulinarische Hochglanzmagazine gleichermaßen wie sauteure Hungerkuren und Kräuterwochen. In einer solchen Situation tut Orientierung gut! Auch dafür gibt es zwar eine Fülle an kommerziellen Tipps und Angeboten, gegenüber denen sich „Gesegnete Mahlzeit!“ jedoch erfrischend einfach ausnimmt. Das eben im Pichler Verlag erschienene Buch beweist, dass durchaus auch einfache Gerichte wie ein überbackener Gemüseauflauf, ein Hollerröster oder ein Grießkoch Aufnahme in eine Rezeptsammlung finden dürfen – zumal es sich nicht nur um ein Koch-, sondern auch um ein kulturgeschichtlich hochinteressantes Lesebuch handelt.

Die Anregung dazu kam von Mag. Berthold Heigl OSB, dem Abt von Stift Seitenstetten, der sich darin übrigens als fantastischer Fotograf beweist. Von ihm stammen die absolut professionellen Aufnahmen der einzelnen Gerichte. Als Autorin zeichnet Irmengard M. Hofmann, Hauptschul-, Religions- und Lebensberatungslehrerin. Unterstützt wurde sie dabei von Dr. P. Benedikt Wagner, der für sie aus dem Stiftsarchiv eine wahre Rarität ausgegraben hat, das Koch Buech von 1610. Man erfährt dort, wie Guette Höchten Einzumachen sind, also gute Hechte im 17. Jahrhundert paniert wurden, und Gedünstetes Lämenes (Lammfleisch) mit Kaprie (Kapern) zubereitet wurde. In diesen handschriftlichen Notizen, die natürlich für die moderne Küche übersetzt wurden, tut sich Geschichte für alle Sinne auf und ermöglicht mit wenig Aufwand eine großartige kulinarische Zeitreise.

Ein guter Teil des Buches ist dem Erdapfel gewidmet. 400 Jahre Erdäpfelsalat im Stift Seitenstetten ist keine Übertreibung. 1621 wurden im Klostergarten bereits Erdäpfel als Nutzpflanzen gezogen. Auf einem Kupferstich in einer lateinischen Beschreibung der zweiten Reise des Christoph Kolumbus 1493 sind sie unter der Bezeichnung „Papas Indorum“ eindeutig als Kartoffelpflanze zu erkennen. An anderer Stelle weiß der Verfasser zu berichten, dass sich die Inselbewohner aus sehr guten, wohlschmeckenden und essbaren Wurzeln Brot und Trunk bereiteten und geht speziell auf die Kartoffel mit einem Rezept ein und spricht ihnen als nützliche Nahrung sogar Heilkraft zu.

Erdäpfelgerichte haben damit in Seitenstetten große Tradition. Sie werden als gefüllte Tascherl, als Torte, als Schnecken oder Knödel zubereitet. Natürlich hat auch der Most, der vergorene Saft von Birnen und Äpfeln und ehemals der alltägliche Trank der Bauern, in der Klosterküche Einzug gehalten. Das Most-Apfel-Schlangel oder ein Mostschober (mit gewürztem Most getränkter Kuchen) beschloss den Mönchen als feines Dessert das Mahl, das sie für ora et labora (bete und arbeite) in der Mostviertler Benediktinerabtei Seitenstetten geistig und körperlich kräftigte.

                                             

Irmengard M. Hofmann, Abt Berthold Heigl OSB: Gesegnete Mahlzeit! Gutes und Gesundes aus der Klosterküche, Pichler Verlag, Wien-Graz-Klagenfurt 2010, www.ichlese.at, ISBN 978-3-85431-519-3, Preis € 24,95.

 

Bildtexte (Illustrationen aus dem Buch Gesegnete Mahlzeit):

Ein Rezept aus der Seitenstettener Klosterküche: Gefüllte Erdäpfeltascherl

Kam einst in der Fastenzeit auf die klösterliche Tafel: ein Guetter Höchten
Irmengard M. Hofmann (Autorin), Abt Berthold Heigl OSB (Fotograf) des Buches „Gesegnete Mahlzeit!“

 

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Wien im Mittelalter, ein Geschichtslesebuch

Blick über die Stadtmauer

 

„Wo Stadt ist, herrscht Lebenslust“ gilt heute geradeso gut wie vor knapp 1000 Jahren. Hubert Hinterschweiger, Historiker aus Leidenschaft, ist überzeugt, dass bereits das mittelalterliche Wien in der zeitgenössischen abendländischen Welt den Ruf einer Stadt des Genießens hatte.

Ein solcher Einstieg in eine Epoche, der bis heute der Ruf des finsteren Mittelalters anhaftet, ist ungewöhnlich. Doch Hinterschweiger versteht es prächtig, den Leser von anfänglichen Zweifeln zu lösen und in ihm letztlich sogar den leisen Wunsch zu erwecken, zumindest für ein paar Tage mitten in einer bunten Gesellschaft durch die engen Gassen der mittelalterlichen Stadt zu flanieren, eventuell ein Badehaus aufzusuchen und in einem Wirtshaus einen Becher Wein zu kosten.

„Wien im Mittelalter“ ist dennoch alles andere als romantische Schönfärberei. Es ist einfach die Beschreibung der Geschichte in ihrer gesamten Breite und Höhe, eben „Alltag und Mythen, Konflikte und Katastrophen“, so der Untertitel. Sie beginnt unten bei den einfachen Leuten, die zu gern aus solchen Werken ausgespart werden. An die 30 Bettlertypen soll es damals gegeben haben, die durch ihre unterschiedliche Kleidung ihren jeweiligen „Stand“ anzeigten. Sie hinterließen Zinken (Geheimzeichen) an den Türen der Wohlhabenden und in eigenen Herbergen, unseren Obdachlosenheimen entsprechend, wurde ihnen Wohnmöglichkeit geboten. Als Ehrlose zählten sie zur Gesellschaft von Henker, Folterknecht, Abdecker und „Hundsschlager“ (Schinder).

                                              

Noch schlechter gestellt waren die „freien Töchter“, die „Hübschlerinnen“ oder „gemeinen Frauen“, wie die Prostituierten genannt wurden. König Rudolf von Habsburg unterstellte sie der Aufsicht des Scharfrichters und hatte kein Problem damit, vom Schandlohn Steuern einzuheben.

Apropos Habsburger, sie kamen mitten im Mittelalter als Landesherren nach Wien und hatten größte Mühe, sich gegen das selbstbewusste und wirtschaftlich bestens bestallte Bürgertum der Stadt durchzusetzen. Die Hintergründe der Politik dieser Tage werden im Buch sehr gründlich, obendrein überaus spannend und erstaunlich detailliert dargelegt.

Ein ausführliches Kapitel ist auch den Katastrophen gewidmet, die vor allem im 14. Jh. die Stadt heimsuchten. 1348 vernichtet eine Heuschreckenplage die Ernte, kurz darauf äschert ein Großbrand einen guten Teil der Stadt ein und quasi aus den Brandruinen heraus schleicht die Pest, an der täglich bis zu 500 Menschen sterben. Was noch geblieben ist, wird 1350 durch einen neuerlichen Großbrand vernichtet.

Es wäre nicht Wien, so darf man hier lesen, hätte man sich – ganz nach der Devise des Lieben Augustin – nicht wieder (auf gut Wienerisch) „derfangen“, nicht zuletzt über den Weinbau, den Hubert Hinterschweiger nicht ohne ein Augenzwinkern als wesentlichen Faktor der mittelalterlichen Wiener Wirtschaft und der eingangs erwähnten Lebenslust zugrunde legt.

 

Hubert Hinterschweiger: Wien im Mittelalter, Alltag und Mythen, Konflikte und Katastrophen. Pichler Verlag 2010, ISBN 978-3-85431-508-7, Preis € 24,95, www.ichlese.at.     

 

Illustrationen aus dem Buch „Wien im Mittelalter“ © Pichler Verlag

Öffentliches Badehaus, Miniatur um 1470

Das Steinschneiden, Ölgemälde von Hieronymus Bosch, um 1510


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Eine Chronik alpiner Naturkatastrophen in Österreich

 

 

An den Grenzen

 

der Beherrschbarkeit

Überschwemmungen, Lawinen oder Muren, die meisten von uns kennen solche Ereignisse glücklicherweise nur aus den Medien. Wenn die Schaurigkeit der Sensation abgeklungen ist, übernehmen wieder andere Themen die Titelseiten. Den überlebenden Betroffenen bleiben sie aber als traumatisches Erlebnis eine lebenslange Belastung. Für alle, ob für Außenstehende oder Opfer, verdichtet sich aber mit jeder Katastrophe aufs Neue das Ohnmachtsgefühl gegenüber einer übermächtigen Natur.

Leseproben aus dem Buch Alpine Naturkatastropen finden Sie durch Anklicken der beiden unten stehend Bilder © Leopold Stocker Verlag.

Florian Rudolf-Miklau, Andrea Moser: Alpine Naturkatastropen, Lawinen, Muren, Felsstürze, Hochwässer, Graz 2010, Leopold Stocker Verlag, ISBN 978-3-7020-1248-9, Preis: € 19,90.

Ein im Leopold Stocker Verlag erschienenes Buch widmet sich nun diesen Katastrophen. Ein kompetentes Autorenteam um Florian Rudolf-Miklau und Andrea Moser hat für die Internationale Forschungsgesellschaft INTERPRAEVENT eine Chronik dieser Ereignisse in Österreich erstellt und verwebt darin das Bemühen, derart Unabwendbares schließlich doch abwenden zu können.

Man darf sich von diesem Buch keine Sensationshascherei erwarten. Die Texte und die Aufmachung sind sachlich gehalten und wissenschaftlich fundiert, aber trotzdem so verständlich geschrieben, dass auch der Laie ohne weiteres die Problematik verfolgen kann.

 

Schon in der Einleitung werden „Alpine Naturgefahren im Portrait“ systematisch als Prozesse beschrieben, die verbunden mit Wasser, Schnee, rutschenden Erdmassen und stürzenden Felsen „zu katastrophalen Schäden im Siedlungsraum, an Verkehrswegen und der Infrastruktur führen.“

 

Die Aufzählung beginnt mit prähistorischen Naturkatastrophen und Wildbach- und Lawinenereignissen vor 1882. Damals, Ende des 19. Jahrhunderts, wurden erstmals umfangreiche Schutzmaßnahmen gesetzt, und erstmals wurde man sich bewusst, dass viele der Ursachen für Katastrophen durchaus von uns Menschen selber gelegt worden sind.

 

Wieviel davon diese – leider mit jeder Katastrophe – stetig gewachsenen Erkenntnisse abwenden konnten, wird man wohl nur schwer erheben können. Dass bis heute Vieles davon nach wie vor in den Wind geschlagen wird, ist kaum einzusehen – eine gefährliche Ignoranz, der eine derart eindrucksvolle Zusammenschau wie dieses Buch jedoch durchaus entgegen wirken und auf verantwortlicher Seite – vom Hotelier bis zur Politik – zu längst fälliger Einsicht führen könnte.

 

 

Pilgerwege in Oberösterreich

 

 

 

Der Weg zum Gnadenort

Pilgern, Wallfahren, egal wie man es nennt, ist wieder modern. Und zwar in seiner ursprünglichsten Form: Man geht wieder. Zwei Stöcke, ein Rucksack mit dem Nötigsten, gute Kondition und ein Ziel vor sich.

Bilder (© Edition Oberösterreich) zum Vergrößern anklicken. Eine Leseprobe finden Sie in kleinen Bild ganz rechts.

Der Moment ist unbeschreiblich, wenn man dieses Ziel nach Tagen tatsächlich auch vor Augen hat, wenn man es fast geschafft hat. Die Blasen an Füßen, das Zwicken im Meniskus und die unzähligen Gelsenstiche sind vergessen. Wer schon jahrelang nicht mehr gebetet hat, jetzt schlägt er ein Kreuz, und dann, drinnen in der Kirche vor dem Gnadenbild, werden verschämt die Tränen aus den Augen gewischt. Man ist wieder Mensch geworden.

 

Peter Pfarl bietet ein ganzes Bundesland zum Wallfahren an. In seinem Buch „Pilgerwege in Oberösterreich“ beschreibt er, säuberlich in Bezirke aufgeteilt, Wallfahrtstätten seiner Heimat. Man spürt, dass er diesbezüglich Insider ist, denn die Geschichten zu den einzelnen Orten sind mehr als bloße Recherche, sie sind im Wahrsten Sinn des Wortes „erfahren“.

Die Klappe verrät, dass der Autor in St. Wolfgang geboren wurde, dort, wo Wolfgangs Hackl landete. Der Wurf muss gewaltig gewesen sein, denn der Ausgangspunkt liegt rund vier Kilometer von St. Wolfgang entfernt im Salzburgischen.

 

Dort, in einer einprägsamen Landschaft, finden sich die Naturheiligtümer, die an den Einsiedler erinnern, seine Klause, eine Quelle, Höhlen und Steine“, schreibt Pfarl und führt damit zu den für ihn unverzichtbaren Punkt einer jeden Wallfahrt: auf den Weg zum Wallfahrtsort, in diesem Fall dem „Wolfgangweg“. Denn nur wenn man darauf zugeht (nicht fährt), und das wird jeder unterschreiben, der die Wallfahrt pflegt, wird man auch den Gnadenort erreichen.

Peter Pfarl: Pilgerwege in Oberösterreich. Edition Oberösterreich, 2010, ISBN 978-3-7012-0050-4, www.ichlese.at, Preis: 24,95 €. 

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